Es waren gut 40 Speyerer Unternehmerinnen und Unternehmer im Martin Luther King Haus anwesend, die der Vorsitzende der MIT „Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU“ – Speyer, Manfred Steiner begrüßen durfte. Ein besonderer Dank für sein Kommen galt dem Gastreferenten Herrn Otto Werner Schade, Vorsitzender der Geschäftsführung Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland, der über die Entwicklung des Arbeitsmarktes in Rheinland-Pfalz informierte
(siehe auch Bildergalerie)
„In der jetzigen Phase kommt der Information eine wesentliche Bedeutung zu, ist sie doch Voraussetzung für besonnenes Handeln in einer Zeit ständiger widersprüchlicher Panikmeldungen“, so leitete Thomas Stevens, Vorstandsmitglied der MIT seinen Kurzvortrag ein.
Die MIT ist mit über 40.000 Mitgliedern die größte und stärkste politische Vereinigung des Mittelstandes. Im Bundestag engagieren sich alleine 135 Abgeordnete für die Interessen des Mittelstandes. Aber nicht nur bundespolitische Fragen stehen auf der Tagesordnung der MIT, auch auf Landes- und kommunaler Ebene sind wir aktiv. Dabei versteht sich die MIT keinesfalls nur als politische Interessenvertretung, sondern engagiert sich ganz konkret bei der Unterstützung Speyrer Firmen. Von Fragen zur Existenzgründung bis hin zur Nachfolgeregelung, von der Finanzierung oder Investitionsrechnung einzelner Projekte bis hin zur Hilfestellungen im Umgang mit Behörden, wir helfen unseren Mitgliedern wo wir können, ganz pragmatisch, so Stevens weiter. Für Speyer wünscht sich der junge Unternehmer eine stärkere Aufmerksamkeit für den Mittelstand. Zahlreiche Unternehmen engagieren sich für das Gemeinwohl und übernehmen so eine zusätzliche gesellschaftliche Verantwortung. Dabei reicht die Bandbreite von Kultur- und Sportsponsoring, Förderung von Bildung- oder Sozialeinrichtungen bis hin zu persönlichem Einsatz oder die Freistellung von Mitarbeitern für ehrenamtliche Aufgaben. Dieser Einsatz wird nur selten wahrgenommen.
Für Thomas Stevens ist es da nur konsequent, sich bei den anstehenden Kommunalwahlen als Stadtrat über die Liste der CDU zu bewerben, ließ er gestern durchblicken.
Dabei wolle er sich besonders für die Verbesserung der Kommunikation und Koordination des vielfältigen sozialen Engagements der Speyerer Firmen einsetzen. Von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft wünscht sich Stevens eine stärkere Betreuung und Vernetzung vorhandener Unternehmen. Dabei denke er vor allem an eine Ausbildungsplatz- sowie an eine Maschinen-/Unternehmensauslastungsbörse. Diese könnten eine enorme Hilfe für kleinere Betriebe darstellen, die nicht alleine ausbilden können oder sich nicht jede notwendige Maschine gleich leisten können und auf Zusammenarbeit angewiesen sind.
Der Mittelstand ist nach wie vor der Jobmotor der Nation, sind hier doch 80% aller Erwerbstätigen beschäftigt. Somit ist eine mittelstandsfreundliche Politik auch immer eine Arbeits- und Ausbildungsplatz schaffende oder zumindest sichernde Politik.
„Mein Traum, ein einziges Mal in meiner aktiven Zeit Vollbeschäftigung zu erfahren, droht in der aktuellen Krise zum Trauma zu werden“ so leitete Schade seinen Vortrag ein.
Trotz der düsteren Aussichten wolle er sich aber nicht als Schwarzmalerei profilieren.
Dennoch Ende März waren im Lande mehr als 134.000 Menschen arbeitslos gemeldet. Das waren 8,8% mehr als vor 12 Monaten. Dabei habe die Zahl der Arbeitslosen erstmalig von Februar auf März zugenommen. Im Vergleich zum ersten Quartal 2008 gab es in diesem Jahr fast 20% mehr Zugänge in Arbeitslosigkeit. Davon sind insbesondere die über 50-Jährigen mit einem Zuwachs von 11,1% und die über 55-Jährigen mit einem Zuwachs von mehr als 34% betroffen. Deutlich würde jedoch, dass die gegenwärtige Wirtschaftskrise eine sektorale Krise sei, die vor allem das produzierende Gewerbe beträfe. So nahm die Zahl der arbeitslos gewordenen Frauen lediglich um 0,8%, die der Männer um 17,8% zu.
Die Quote der Langzeitarbeitslosen ist im Vergleich zum Vorjahr weiter deutlich gesunken. Derzeit ist rund ein Viertel länger als 12 Monate arbeitslos gemeldet.
Die großen Verlierer der Krise sind allerdings die Zeitarbeiter, deren Zahl nahm um 23,2% ab.
Dramatisch ist der Anstieg der Kurzarbeit. Hier haben wir einen Zuwachs von 244% zu verzeichnen, absolut sind dies rund 60.000 Beschäftigte.
Dennoch hat die Krise den Arbeitsmarkt noch nicht voll erfasst, noch versuchen die Unternehmen die Fachkräfte zu halten.
Otto Werner Schade sieht die Agentur besser für die Krise gerüstet denn je. “Die schnelle und reibungslose Besetzung vakanter Stellen, die Aktivierung der Arbeitslosen verdanken wir der Politik des Forderns.“
Aber Otto Werner Schade macht auch handfeste Strukturmerkmale des rheinland-pfälzischen Beschäftigungssystems aus.“ Wir wissen aus einer Studie unseres Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, dass die rheinland-pfälzische Branchenstruktur für die Beschäftigungsentwicklung eher ungünstig, das relative Lohnniveau eher günstig ist. Die Qualifikationsstruktur dagegen ist nicht förderlich. Der Anteil der Hochqualifizierten unter den rheinland-pfälzischen beschäftigten lag 2007 bei 7,4% im Nachbarland Baden Württemberg waren es 10,6%. Noch weiter ist die Schere bei den Ingenieuren geöffnet. In Baden-Württemberg war deren Anteil unter den Hochqualifizierten 25%, in Rheinland-Pfalz 15,6%.
Abschließend bedauerte Herr Otto Werner Schade noch die Unterbrechung der gesellschaftlichen Debatte durch die Krise um die Themen der Entgrenzung der Arbeit und die soziale Entmischung. Dabei ist mit der Entgrenzung der Arbeit die permanente Verfügbarkeit der Arbeitskräfte (per Handy) gemeint. „Gute“ Arbeit verhindert damit zunehmend ein gutes Leben.
Unter sozialer Entmischung versteht man die Tendenz, dass bei gleicher Eignung Bewerber aus der Unter- und Mittelschicht, signifikant schlechtere Chancen auf Spitzenjobs haben.
„Die Chancenungleichheit nimmt zu“, so Otto Werner Schade.