„Ehrliche Haut” kommt gut an
RHEINPFALZ-MEINUNGsUMFRAGE vom 07.01.2012
Nach einem Jahr im Amt benoten die Speyerer die Leistung von Oberbürgermeister Hansjörg Eger (CDU) mit der Schulnote 2,7. Ein Satz nach vorne ist ihm in allen abgefragten persönlichen Eigenschaften gelungen. Besonders auffällig: Eger gilt als ehrlicher Politiker.
„Das ist schon ein Ding”, kommentiert Michael Mohr vom Mannheimer Meinungsforschungsinstitut CMR die Zustimmung von 66,3 Prozent bei der Frage, ob die Bürger ihren OB für ehrlich halten. Der Wert des Kandidaten Eger 2010 war 53 Prozent. Im Amt hat er bis heute um über 13 Prozentpunkte zugelegt. Er übertrumpft mit dem Resultat auch noch seine Ludwigshafener Amtskollegin Eva Lohse, die 56 Prozent aufweist. Sie erhält mit 2,7 die gleiche Note wie Eger. Mit 2,5 liegt der Pirmasenser OB Bernhard Matheis0 vor Eger, sein Neustadter Kollege Hans Georg Löffler hat zuletzt die 2,9, Theo Wieder (Frankenthal) die 1,9 die beste, Helmut Reichling (Zweibrücken) mit 3,1 die schlechteste erfasste Zensur. Der aktuelle Schnitt ist 2,6.

Zurück zu Egers „guten Eigenschaften”: Der Nachfolger von Werner Schineller ist bei allen im Auftrag der RHEINPFALZ von dem Mannheimer Institut abgefragten Parametern nach oben durchgestartet. „Er hat sich sehr gut entwickelt, erzielt durchweg respektable Ergebnisse und gibt insgesamt ein gutes Bild in der Öffentlichkeit ab”, wertet CMR-Experte Mohr.
Als Kandidaten fanden Eger schon 53 Prozent der Befragten sympathisch, jetzt 75,7 Prozent. Wieder die Vergleichsmarke von Lohse: 80. „Frau und längere Amtszeit”, erklärt Mohr den Abstand. „Alles über zwei Drittel ist sehr gut, über 50 Prozent ist gut”, ordnet Mohr ein. Als Repräsentant der Stadt, in Sachkompetenz, Bürgernähe und als Imageträger holt Eger über 60 Prozent.
Seine Schwachstellen sind nach der Umfrage „Problemlösungsbewusstsein” und „Führungsqualitäten”. Beides könnte darauf hindeuten, dass Diskussionen in Speyer zu lange dauern oder zumindest so empfunden werden, formuliert Mohr. Vielleicht habe Eger deshalb erst wenige „unkonventionelle Ideen” aus dem Hut zaubern können. Das ist aktuell sein schlechteste Einstufung: Nur 29,5 Prozent schreiben ihm dieses Attribut zu.
Dem Stadtchef liegt nun eine Aufgaben-Liste mit klaren Prioritäten, geschrieben von den Bürgern, vor: Kümmern soll er sich vor allem um Sanierung und Modernisierung von Kindergärten und Schulen, Schuldenabbau, bessere Angebote für ältere Menschen und das Schaffen bezahlbaren Wohnraumes.
Den Schuldenabbau nennt Mohr „Standardforderung”. Ihr hoher Stellenwert überrasche nicht. Parallel werde oft gefordert, Steuern und Abgaben nicht zu erhöhen - was sich gegenseitig ausschließe.
Für fast 80 Prozent der Befragten sind bezahlbare Wohnungen sehr wichtig: „Das sind mehr als drei von vier”, sagt Mohr. „Da besteht ein echter Bedarf.” Mit Blick auf das in absehbarer Zeit frei werdende Gelände der Kurpfalzkaserne seien die Zahlen ein „klarer Fingerzeig”. Am wichtigsten halten dieses Thema die 18- bis 29- sowie die 40- bis 49-Jährigen.
Rund 62 Prozent seiner 30 bis 39 Jahre alten Mitbürger erwarten von Eger vor allem den Ausbau der Seniorenangebote: Das wirke nur auf den ersten Blick erstaunlich, sagt CMR-Experte Mohr. „Das ist die Generation, deren Eltern betroffen sind.” Die Forderung sinkt tatsächlich mit zunehmendem Alter. Für weniger als 50 Prozent der über 75-Jährigen ist das Thema wichtig.
Die Forderung nach Ganztagsgymnasium, Kindergärten und ordentlichen öffentlichen Plätzen und Einrichtungen relativiert der Meinungsforscher. Vor allem die Schulfrage sei Thema Betroffener. Die Zahlen stützten das. Über 75 Prozent der 30- bis 39-Jährigen halten das Ganztagsgymnasiums-Angebot für wichtig und sehr wichtig.
500 Speyerer Wahlberechtigte waren am Montag und Dienstag befragt worden. Die Umfrage gilt als repräsentativ. Mohr gibt nach dem Ergebnis folgenden Rat an Eger: den Leuten zuhören, sie ernst nehmen. „Und mal mit einer unkonventionellen Idee aufwarten.” (ell)
Die Rheinpfalz, Speyerer Rundschau vom 07.01.2012