CDU Speyer - Deine Speyer-Partei.

Offener Brief in Sachen Gewaltprävention an Oberbürgermeister Hansjörg Eger

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister.
lieber Herr Eger,

aktuell ist eine öffentliche Diskussion über die signifikante und zunehmende  Gewaltbereitschaft in unserer Gesellschaft zu vernehmen.

Die Speyerer CDU hat diese Diskussion frühzeitig aufgenommen und zu einem öffentlichen Diskussionsforum in der vergangenen Woche in das Ägidienhaus eingeladen. Mit dieser – gut besuchten - Veranstaltung wollte die Speyerer CDU zur Versachlichung der Diskussion beitragen.

Da Sie, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, wegen anderer terminlicher Verpflichtungen diesem Diskussionsforum nicht beiwohnen konnten, und auch Ihre Stellvertreterin, Bürgermeisterin Monika Kabs, an diesem Abend krankheitsbedingt nicht anwesend sein konnte, darf ich Ihnen nachfolgend das Ergebnis dieser Veranstaltung näher bringen und gleichzeitig auf die entsprechende Berichterstattung in den Medien verweisen.

Alle Redner - im Podium und im Anschluss daran im Saal - diskutierten mit großem Ernst, getragen von spürbarem Verantwortungsbewusstsein, und versuchten so gemeinsam, für die betroffenen Jugendlichen Wege aus der vielfach vorhandenen Hoffnungslosigkeit aufzuzeigen. Ein erster Schritt also hin zu einer sinnhaften Gewaltprävention.

Als Lösungsansätze hierfür kristallisierten sich an diesem Abend

1.)die Eröffnung eines dritten Jugendcafés - nach Speyer-Nord und Speyer-West nun auch im Stadtteil Süd und
2.)die Einrichtung eines “runden Tisches” zur Erörterung der Probleme um die Jugendgewalt in Speyer

heraus.
1.) Jugendcafé Speyer-Süd

Ich bitte zu prüfen, ob sich das bereits realisierte Jugendcafé-Projekt Speyer-West, eventuell unter Einbindung der beiden Kirchen (hier: Dompfarrei und evangelische Kirche mit dem Projekt „Jugend vor Ort“) in Analogie auch für Speyer-Süd realisieren lässt.

Die Zielgruppe - problematische, mit ihrer Energie alleingelassene Jugendliche, die, so ein Diskussionsteilnehmer „ihre Umgebung durch Schmutz, Müll und mutwillige Zerstörung auf sich aufmerksam machen“ - könnte „da abgeholt werden, wo sie sich befindet“.  Zielsetzung sollte es dabei sein, den Jugendlichen Sicherheit zu vermitteln und von Ihnen in einer solchen Einrichtung als Ansprechpartner akzeptiert zu werden. Dort kann zugleich ein positiver Einfluss auf Sie ausgeübt, sie können an klare Regeln herangeführt werden; möglichen Problemen mit Anwohnern können mit dem Aufbau aktiver Maßnahmen zur  Nachbarschaftshilfe überwunden werden.
 
In Speyer-West ist durch die Einrichtung des Jugendcafés eine deutliche Verbesserung der Situation vor Ort erreicht worden, so die Verantwortlichen des dortigen Jugend-Cafés. Diese betonten ferner, mit ihrem Konzept die auffälligen Jugendlichen zu erreichen und weisen darauf hin, dass über einen Zeitraum von 10 Jahren die durch Randalismus notwendigen Instandsetzungsarbeiten gegen null tendierten. Darüber hinaus hätten alle im Jugend-Café verkehrenden Jugendlichen, die mit außerordentlich ungünstiger Sozialprognose „angetreten“ seien eine Lehre absolviert bzw. gingen bereits einer beruflichen Beschäftigung nach. Kurz: Sie sind in der Bürgergesellschaft positiv etabliert.

Ferner bitte ich die Einsetzung eines sog. „Streetworkers“ zu prüfen.

Die Arbeit mit der angesprochenen sozial benachteiligten Personengruppe findet zunächst auf der Straße statt. Aufgabe der Streetworker ist es auch, Sozialstrategien zu planen und zu organisieren, um den betroffenen Menschen die Möglichkeit einer gesellschaftlichen Wiedereingliederung und Teilhabe zu geben. Hierzu zählt auch die Anbindung an Einrichtungen niederschwelliger Jugendarbeit und deren Unterstützung.


2.) Runder Tisch
 
Bereits mit meiner Presseerklärung vom 06. Januar 2012 hatte ich wegen der vorliegenden Thematik dringenden Gesprächsbedarf angemeldet, und alle gesellschaftlichen Gruppierungen dazu aufgefordert, sich mit der Problematik zunehmender Gewaltbereitschaft in unserer Gesellschaft gemeinsam auseinanderzusetzen. Auch an diesem Abend wurde der „Runde Tisch“ als Mittel der sozial- und kommunalpolitischen Diskussion von allen Rednern unterstützt.

Ich bitte Sie deshalb, die organisatorischen Maßnahmen für die Einrichtung eines solchen “Runden Tischs” mit einer sinnvollen Vernetzung aller Akteure einzuleiten, bei dem u.a. auch die betroffenen Jugendlichen – sie waren an diesem Abend in erfreulich großer Zahl vertreten - ihre Meinungen und Vorstellungen einbringen können. Eine erste Liste mit Unterschriften interessierter Teilnehmer, die bereits an diesem Abend begonnen wurde und keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann, füge ich diesem Schreiben bei.

Ich darf Sie, auch ganz persönlich sehr herzlich bitten, sich der an diesem Abend erarbeiteten Lösungsansätze anzunehmen.


Mit freundlichen Grüßen
Michael Wagner
Kreisvorsitzender