Aus Anlass der aktuellen Wirtschaftskrise hat die CDA Speyer es sich nicht nehmen lassen, bei der Firma Tyco Electronics AMP GmbH, einem Automobilzulieferer, nachzufragen, wie die Firma mit der aktuellen Krise umgeht.
Der Kreisvorsitzende der CDA Speyer, Herr Rechtsanwalt Winfried Müller, durfte zu diesem informativen Gespräch neben dem Kreisvorsitzenden der CDU, Herrn Michael Wagner, endlich einmal mehr Teilnehmer begrüßen, als in den zurückliegenden Jahren.

Begrüßt wurde die Delegation der CDA Speyer vom Standortleiter Ulrich Laudenbach und vom erst kürzlich zum 1. Betriebsratsvorsitzenden aufgerückten Bernd Arnold. Standortleiter Laudenbach klärte auf, dass er seit nunmehr 2 ½ Jahren dem Standort Speyer vorstehe. Sein Vorgänger, Herr Jürgen Heller, leite das Werk Niefern bei Pforzheim. Der bisherige stellvertretende Werksleiter, Herr Karl-Heinz Thomas sei nach über 46 Jahren Firmenzugehörigkeit mittlerweile in die Altersteilzeit übergewechselt. Auch der bisherige 1. Betriebsratsvorsitzende, Herr Johannes Heil, hat nach über 45 Jahren Firmenzugehörigkeit die Altersteilzeit in Anspruch genommen und die Vertretung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in die Hände von Herrn Arnold, der ebenfalls seit 39 Jahren dem Standort treu ist, gelegt.
Standortleiter Laudenbach stellte den Gästen von der CDA das Werk Speyer dank visueller Technik sehr gut vor. Deshalb entschied man sich kurzerhand, den geplanten Betriebsrundgang zu streichen und sich auf das informative Gespräch im Hinblick auf die aktuelle Krise zu konzentrieren.
Diesbezüglich wussten die Herren Laudenbach und Arnold leider wenig Erfreuliches zu berichten.Es gebe erste Anzeichen, dass die aktuelle Wirtschaftskrise auch die Firma Tyco Electronics AMP GmbH erreicht habe. Im Hinblick auf die aktuelle Mitarbeiterzahl musste Standortleiter Laudenbach mitteilen, dass diese sich zwar in der Hochproduktionsphase von Anfang 2007 bis Mitte 2008 von 829 auf 889 Mitarbeiter erhöht habe; jedoch alleine im letzten Dreivierteljahr 105 Stellen gestrichen werden mussten. Dieser wirtschaftlich bedingte Stellenabbau trifft zunächst einmal die Leasingkräfte. Diese wurden in den letzten 9 Monaten komplett abgebaut, so dass die Firma aktuell keine Leasingkräfte mehr beschäftigt. Zudem konnte man auslaufende befristete Arbeitsverträge nicht verlängern. In einigen Arbeitsverhältnissen musste man zur Kündigung in der Probezeit greifen. Die allgemeine wirtschaftliche Talfahrt wirkte sich bedauernswerterweise auch auf den Ausbildungsbereich aus. Tyco beschäftige aktuell 50 Auszubildende. Zuletzt konnten nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung 7 Auszubildenden nur noch ein befristeter 6-Monats-Arbeitsvertrag angeboten werden. Bisher schloss sich der Ausbildung ein auf 1 bzw. 2 Jahre befristeter Arbeitsvertrag an, der in der Regel in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis mündete.
Das Geschäftsjahr der Firma Tyco Electronics AMP GmbH erstreckt sich vom 01.10. des aktuellen Jahres bis zum 30.09. des Folgejahres. Insoweit konnte Standortleiter Laudenbach für das Geschäftsjahr 2007/2008 noch von guten bis sehr guten Produktions- und Umsatzzahlen berichten. Im 1. Quartal des Geschäftsjahres 2008/2009 musste man ein Minus von 25 % und im 2. Quartal ein Minus von 55 % verzeichnen. Allerdings gehen sowohl Standortleiter Laudenbach als auch der Betriebsratsvorsitzende Arnold davon aus, dass die Talsohle der Krise im Februar diesen Jahres erreicht war/ist. Dieser Auftrags- und Umsatzrückgang zwang die Firma, eine Art „Überstundenverbot“ auszusprechen und die Kurzarbeit anzuordnen. In allen Bereichen des Werkes wird zur Zeit Kurzarbeit „fast bis zur Schmerzgrenze“ verrichtet, wie der Betriebsratsvorsitzende Arnold erklärte. Teilweise hat das Werk nur eine 25 – 30 %ige Auslastung zu verzeichnen.
Die Teilnehmer dieser Veranstaltung der CDA Speyer zeigten große Besorgnis für die einzelnen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die zwar einige Wochen Kurzarbeit überbrücken können, aber „nach drei bis vier Monaten wird die Luft für die Leute dünner“, wie Betriebsratsvorsitzender Arnold und Standortleiter Laudenbach unisono beklagten.
Angesprochen auf die aktuellen Hilfsmaßnahmen der Bundesregierung bzw. der Politik (Konjunkturpakete und Abwrackprämie) musste Standortleiter Laudenbach feststellen, dass sich die Abwrackprämie nur bei Klein- bis Mittelklassewagen mit einem Preisvolumen von maximal 10.000,00 – 12.000,00 EUR auswirke. Bei größeren Fahrzeugen verpuffe die Wirkung der Abwrackprämie nahezu vollends. Somit kann die Firma Tyco Electronics AMP GmbH als Automobilzulieferer momentan nur in neue Produktlinien investieren, wenn sie einen entsprechenden Auftrag von einem Kunden erhalten hat. Besonderes Gehör fand die Information, wonach die Firma in Verbindung mit den Automobilherstellern vom Konzern aus eine eigene Entwicklungsgruppe für Hybrid-Autos unterhalte.
Gefragt nach den Erfahrungswerten aus anderen Betrieben und Firmen konnte der Kreisvorsitzende der CDA Speyer, Herr Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht, Winfried Müller, aus seiner Praxis berichten, dass alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, mit denen er sich in der aktuellen Krise unterhalten habe, bestrebt sind, zusammen mit ihrem Arbeitgeber die Krise zu überwinden. Hierbei ist man bereit, bis an die Schmerzgrenze des Leistbaren zu gehen, da die Alternative Arbeitslosigkeit heißt. Müller konstatierte weiter, dass er in seinem Anwaltsbüro aktuell im Durchschnitt alle 3 Tage eine neue Kündigungsschutzsache zu verzeichnen habe. Im Laufe des jeweiligen Verfahrens stellt sich jedoch immer öfter heraus, dass die Arbeitgeber die aktuelle Krise ausnutzen, um Personal abzubauen, ohne dass hierfür betriebsbedingte Gründe vorhanden sind. „Nicht jede Kündigung, die den Stempel „Betriebsbedingte Kündigung“ aufgesetzt bekommt, birgt auch eine betriebsbedingte Kündigung in sich“ fasste der Kreisvorsitzende der CDA Speyer die Situation auf dem Arbeitsmarkt zusammen.
Zum Schluss der Veranstaltung bedankte sich CDA-Kreisvorsitzender Winfried Müller bei den Gastgebern und versprach, die Geschicke des Werkes weiterzuverfolgen und mittelfristig einen weiteren Besuch zu realisieren.